Kurze Geschichte des Handspinnens
Überlegungen zum Spinnen lernen
Grundsätze fürs Spinnen mit dem Flügelrad
Funktionsweise des Flügelrades
Indische Buch- oder Attaché-Charkha
Grundsätzliches zu Handspindeln
Grunsdätzliches zur Spinnliteratur
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Theoretisch kann man alles verspinnen, was zwei Enden hat und dünn genug ist - von Wattebäuschen bis Pferdeschweifhaaren. Praktich ist es einfacher und sinnvoller, sich auf Fasern zu beschränken, die
Wattebäusche, Rosshaar, Moschusochsen-Unterwolle (Quiviut) und Goldfäden scheiden daher für die meisten Spinner und Verwendungszwecke wohl aus. Aber keine Angst, es bleibt noch genug übrig:
Ob sich das Wort "Wolle" bei korrekter Verwendung nur auf Haare vom Schaf bezieht oder auch auf die anderer Tierarten, habe ich noch nicht mit Sicherheit herausgefunden. Hier verwende ich Wolle jedenfalls immer für Schafwolle - die Haare anderer Tierarten werden meistens mit dem Namen der Tierart bezeichnet.
Wolle sind also die Haare von Schafen, die meistens ein Mal im Jahr geschoren werden (manche Rassen auch zwei Mal, und es gibt auch einige Schafrassen, die ihr Fell natürlich wechseln wie andere Tiere auch). Um Wolle zu charakterisieren sind wichtig:
Diese Punkte sind für mich wichtiger als die Rasse. Die Schafrasse erlaubt zwar allgemeine Rückschlüsse auf die Wolleigenschaften (Merino ist kurz und fein, Coburger Fuchsschaf gröber und länger) aber im Endeffekt kommt es immer auf das einzelne Vlies an. Und gerade bei Fleischrassen kann die Wollqualität von Tier zu Tier stark schwanken. Man kann auf Fleischschafen hervorragende Spinnwolle zu finden - es gibt keinen Grund, sie links liegen zu lassen!
Angora bezeichnet die Haare des Angorakaninchens. Diese Haare sind feiner als Schafwolle, weniger schuppig und überhaupt nicht gekräuselt. Das macht sie wunderbar weich zu tragen, aber schwieriger zu verspinnen, da sie "glitschig" sind. Dass sie auch ziemlich kurz sind, erleichtert das Spinnen auch nicht. Angora ist also keine Faser für Spinnanfänger. Ausserdem verfilzt Angora sehr leicht. Deshalb soll es als lose Faser weder gewaschen noch gefärbt werden (vor dem Spinnen zu waschen ist auch nicht nötig, da die Faser meistens sehr sauber ist und auch kein Fett enthält). Das fertig gesponnene (und verzwirnte) Garn kann dafür durchaus rauh behandelt werden (Hitze-/Kälteschock, rubbeln) damit die Haare ein bisschen einfilzen und nicht später beim Tragen verloren gehen.
Es gibt übrigens verschiedene Angorakaninchenrassen mit unterschiedlichen Felleigenschaften:
Bilder von meinen Angorakaninchen gibt's auf der Angorakaninchen-Seite.
Mohair ist das Haar der Angoraziege. Es besitzt wunderbaren Glanz, ist sehr stabil, sehr wenig gekräuselt (es soll am Körper Locken bilden), sehr glatt und die Fasern sind sehr lang, obwohl Angoraziegen zwei Mal im Jahr geschoren werden. Da die Fasern so glatt sind, sind sie trotz der schönen Länge alleine ziemlich schwierig zu verspinnen. Mohair ist auch schwerer als Wolle, so dass empfohlen wird, es mit Wolle zu mischen um das fertige Kleidungsstück leichter und die Fasern besser verspinnbar zu machen.
Seide ist die Faser, aus der die Raupen zweier asiatischer Schmetterlingsarten ihren Kokon wickeln, wenn sie sich verpuppen um zum Schmetterling zu werden. Wenn man die Raupe im Kokon abtötet, kann man ihn (bzw. mehrere gleichzeitig, um einen dickeren Faden zu erhalten) abwickeln und bekommt einen bis zu 3 km langen Faden. Man kann aber auch die Kokons, aus denen die Raupen geschlüft sind, auseinanderziehen - das gibt die im englischen Sprachraum verbreiteten "bells" (glockenförmig) oder "hankies" (quadratisch). Oder man kann nach Entfernen des Klebers direkt vom Kokon spinnen. Im deutschen Handel erhältich sind Kammzüge von
Reinweiss, Durchmesser 13 Micron. Das ist die "Zuchtseide" von Raupen der Art Bombyx mori - der Maulbeerspinner. Diese Art wird seit Jahrtausenden kultiviert, kann nicht mehr fliegen und frisst auschliesslich die Blätter des Maulbeerbaums.
Leicht gelblich, etwas dicker. Wildseide stammt von Schmetterlingen der Art Antheraea paphia, die noch funktionsfähige Flügel haben und verschiedene Blätter fressen. Die Farbe von Tussahseide variiert mit dem Futter der jeweiligen Raupen - es empfiehlt sich daher, die für ein Projekt benötigte Tussahseide auf einmal zu kaufen.
Weiss aber mit unregelmässiger Struktur. Das sind die Abfälle der Maulbeerseidenverarbeitung, die deshalb relativ günstig zu haben sind. Die Seide ist gut verspinnbar, aber ein glatter Faden ist praktisch unmöglich. Schappeseide ergibt ein Effektgarn!
Alle Proteinfasern (die Klassifizierung ist wichtig fürs Färben - Proteinfasern werden anders gefärbt als Zellulosefasern) sind tierischen Ursprungs: Bekannte Fasern zum Handspinnen sind noch (aber nicht ausschliesslich): Alpaca, Llama, Kamelhaar, Hund, Yak, Kaschmir (Unterwolle der Kaschmirziege), die Unterwolle des Moschusochsen (normalerweise als Quiviut bezeichnet, aber das ist die von einer Eskimokooperative in Alaska geschützte Bezeichnung)... Probieren Sie doch einfach die Haare Ihrer Perserkatze, wenn sie im Frühjahr ihr Winterfell verliert.
Zellulosefasern sind pflanzlichen Ursprungs: Versponnen werden unter anderem
Sehr kurze Fasern (um die 2 - 3 cm), die die Samen des Baumwollstrauches umhüllen. Baumwolle will zu sehr feinen Fäden verarbeitet werden. Am besten geeignet ist dazu eine Charkha, da man damit kein Problem mit zu starkem Einzug hat.
Hier handelt es sich um Fasern aus den Stengeln des Flachs/Leins (der auch die Leinsamen liefert). Die besten Fasern sind sehr lang und werden vor dem Spinnen auf einen Rocken aufgebunden. Es gibt aber auch kurzfasrigen (Abfall-) Flachs im Kardenband, der wie Wolle versponnen werden kann.
Ramie ist eine asiatische Brennesselart, die eine sehr glatte und extrem feste, reinweisse Faser liefert. Bambus stammt aus dem gleichnamigen Gras, Ingeo wird durch industrielle, aufwendige Verarbeitung aus Mais gewonnen. In Europa verbreitet waren einmal Brennesselfasern (Nesselstoff), die angeblich wie Flachs gewonnen werden.
Seite aktualisiert: 07 April 2007